Dienstag, 2. Dezember 2008

Das Arbeitsverhältnis

Gestern wurde mir um genau 8:42h mal wieder bewusst dass es hier etwas anders zu und her geht als in der Schweiz. Ich war zu diesem Zeitpunkt natürlich bereits mitten drin in den Vorbereitungen für die Ausbildung am Nachmittag.

Rundherum waren alle Büros noch dunkel und leer - fast schon ein bisschen unheimlich.

Ich schaute auf meinen Kalender: Montag, 1.Dezember 2008. Ok, ich habe mich also nicht im Datum geirrt und bin versehentlich am Wochenende zur Arbeit gesaust.

Um 8:46 kam dann der erste der Informatiker in das Büro dass ich mit ihnen teile wenn ich nicht gerade im Labor bin, ein Büro mit sechs Arbeitsplätzen. Um 9:09h kam dann bereits der zweite!

Klar, der eine oder andere wuselt schon früher mit einem Becher Kaffee oder Tee mehr oder weniger zielstrebig durch die leeren Gänge dieser Kosmetikschmiede, aber wenn man vor Acht jemanden antrifft handelt es sich garantiert um eine Raumpflegerin oder einen Dübelversenkungsspezialisten oder so. Bis die Belegschaft dann aber wirklich als anwesend und arbeitend gilt wird es sicher neun bis halb zehn.

Ich hatte ja heute schon Glück dass mein Mitarbeiter Pierre bereits um acht da war und mir ein Tässchen Tee kochte während wir uns von unseren Wochenenden erzählten. Pierre gilt als ausgesprochener Frühaufsteher unter meinen Kameraden hier. Es wird dann wohl auch vier Uhr, allerspätestens vielleicht halb fünf nachmittags werden bis er sich zurückzieht und noch schnell fröhlich winkend am Laborfenster vorbei nach Hause düst.

Es ist mir aber auch schon passiert dass ich um 8:20h noch ganz alleine vor der Labortür kreiste bis die erste Praktikantin auftauchte und mir das Tor zum Labor und somit zur Arbeit öffnete.

Hier herrscht halt die 35-Stunden-Woche! Dies bedeutet grob etwa dass pro Woche so ziemlich genau ein ganzer Tag weniger gearbeitet wird als bei uns. Nicht übel bei den Franzosen, was?

Selbstverständlich behält man aber seine braven Schweizer Gewohnheiten bei und zieht seinen etwas-mehr-als-nötig Schnitt durch.
Hah! Es hat im Oktober in Basel bei der Vorbereitung zur Auslieferung des nun hier installierten Geräts Tage gegeben an denen ich gleichviel gearbeitet habe wie ein Französischer Makeup-Forscher in einer halben Woche!

Vielleicht denken sich die Franzosen - die ja bekanntlich gerne über die Langsamkeit der Schweizer schmunzeln - dass sie wie ihre feurigen Camargue-Pferde in 35 Stunden mindestens das Gleiche erreichen wie wir gemütlich wiederkäuenden Alpenrinder in 42 Stunden grad mal so knapp hinkriegen?

Man weiss es nicht.

Aber Spass beiseite: Was bedeutet das eigentlich wirklich für die Wirtschaft dieser beiden hier verglichenen Länder? Arbeiten die Franzosen wirklich ein fünftel weniger als wir, oder machen wir einfach 25% mehr als der Rest Europas? Wie können sie sich diese sieben wöchentlich fehlenden Stunden leisten? Klar, die Lohnskala wird entsprechend angepasst sein. Umsonst beneidet man uns Helvetiern ja nicht um unsere dicken Lohnausweise und möchte uns so gerne in der EU haben.

Bloss leider wohl nicht als Vorbild, sondern eben als Milchkuh...

Blöööök!

2 Kommentare:

Rose de Noire hat gesagt…

Tja, so sind die Franzosen, immer fleissig, immer rege...*lach*

Exploramus hat gesagt…

*grübel* ob ich nicht besser grad in Paris bleibe? Schliesslich arbeite ich hier fast einen Tag mehr pro Woche, als der durchschnitt.
Der Bericht zeigt mir ganz klar, wie doof wir eigentlich sind... kommen täglich mindestens 10 Minuten früher zur Arbeit ( eher 15-20 ) und kriegen kein Echo..und wenn wir mal so 5 Minuten zu spät kommen ist gleich die Hölle los. Schräge Welt.