Sonntag, 7. Dezember 2008

Gabelfrühstück

Sonntag ist's, ein Tag an dem man es etwas ruhiger angehen sollte, etwas ausspannen darf, und sich vielleicht auch mal was Gutes tut. Man mümmelt sich halt etwas tiefer in die Decke, und zögert das Aufstehen so lange heraus bis es dann definitiv zu spät ist für 'ne fade Schale Cornflakes. Für's Mittagessen ist es dann aber doch noch etwas früh, oder man hat einfach auch keinen Bock am Sonntag einen solchen zu schiessen, auszunehmen, zu braten und dann zu verspeisen.

Was macht also der gewiefte Wochenendler?

Er lässt sich was einfallen!

Meinen genialen Einfall hatte isch schon gestern beim Schlendern durch den Touristenverseuchten Montmartre, und zwischen all den Weinhandlungen, kleinen Fischläden und Gourmet-Tempeln kam mir dann die Idee:

Gabelfrühstück!

Also ein kleines Zmorge/Zmittag, das sowohl den Magen füllt aber gleichzeitig auch leicht, locker und gemütlich ist.

Ganze Tafeln mit diversesten Broten, Müeslis, Konfitüren, Specken und Eiern zu belegen ist für einen Einmann-Betrieb wie hier bei mir aber etwas übertrieben, daher beschränke ich mich aufs knapp nötigste. Also wirklich das Mindeste. Ganz bescheiden und ohne grossen Schnickschnack:

Etwas geräucherten Lachs, Toast und ein Gläschen Sprudel!

Ihr sagt Euch sicher, das ist ja wieder mal typisch Schindi! Der alte Geniesser!

Stimmt!

Aber irgendwie passt es doch auch hier nach Paris: etwas Carpe Diem und ein leicht dekadenter Hang zur kulinarischen Extravaganz.

Gut, der Lachs kommt aus Norwegen, der Sprudel aus der Freixenet-Schmiede in Spanien, und etwas englischeres als Tost gibt es glaubs fast nicht, aber mir ist das sowas von egal und ich geniesse mein kleines Gabelfrühstück auf's vollste!

Na denn mal Prost und Euch allen einen schönen Sonntag!


Dienstag, 2. Dezember 2008

Retarded train...

Err-ööö-Err. So heisst sie, die Pariser Mittelstrecken-Verbindung die irgendwo zwischen Métro und dem Nationalen Schienennetz der Franzosen angesiedelt ist. Die fünf RER-Linien durchqueren jeweils Paris und die nähere Aglomerationen und kreuzen sich alle ungefähr in der Mitte von Paris, dem Ersten Arrondissement. Die Métro steht dann eine Stufe unterhalb und verbindet die verschiedenen RER-Stationen, Bahnhöfe, Touristenattraktionen und was auch immer untereinander, ergänzt durch ein Netz von Bussen.

Wieso würdige ich dem Schienenverkehr überhaupt einen eigenen Blogeintrag? Ich, der doch eher die schweren Stahlschienen auf ihren hässlichen Schotterspuren verachtet und sich voll auf die etherische Leichtigkeit und Schönheit des Flugverkehrs fokussiert?

Eben, aus Verachtung.

Denn wenn man mit der RER reist, dann muss man auf recht vieles gefasst sein! Pünktlichkeit ist zum Beispiel ein komplexes Thema. Oh, aber wenn ich micht recht besinne ist es sogar noch komplexer, und wir müssten den Begriff Pünktlichkeit noch etwas präzisieren.

In meinem Arbeitsumfeld etwa reden wir wenns um Genauigkeit z.B. einer Dosierung geht von Präzision und Genauigkeit : Präzision ist etwa wenn man drei Pfeile auf eine Zielscheibe abschiesst, und die so auf der Scheibe weit verstreut sind dass keiner der Pfeile zwar im Zentrum steckt, der Mittelpunkt der drei Pfeile auch in der Mitte liegt.
Die Genauigkeit ist dann aber wenn die Pfeile alle nahe beinander einschlagen, aber nicht unbedingt im Zentrum liegen. Beides ist natürlich suboptimal, es sei denn sowohl Präzision und Genauigkeit sind gut.

Was beim RER aber nicht unbedingt der Fall ist: Die Präzision ist oftmals nicht schlecht, und plusminus ein paar Minuten ist der Zug pünktlich da, aber Präzision ist halt sehr sehr fragwürdig. Gut möglich also dass ein Zug dann halt grad mal ganz viele Minuten zu spät kommt oder dann pünktlich losfährt und mal stecken bleibt. Oft ist er wirklich rechtzeitig, aber das weiss man nie im vornherein.

Dann ist da noch die Sache mit den Streiks: so rund alle zwei Wochen beschliessen die RER-Leute meiner Linie B dass sie nicht ein mal die 35 Stunden arbeiten wollen, und lassen die ganze Linie grad mal ausfallen, die dann zwar durch die staatliche SNCF übernommen wird, aber was trotzdem für chaotische Zustände und viel Verwirrung auf den Bahnhöfen sorgt.

Das lustigste Erlebnis (man sieht ich bin bereits leicht daran gewöhnt, aber noch nicht völlig angep***) bisher war als ich an einem Morgen am Bahnhof ankam und mir 10 neue Billete kaufen wollte. Die RER-Spassvögel haben sich aber gedacht es wäre doch lustig, mal eine neue Software auf die Billetautomaten zu spielen, und das natürlich während der Stosszeit und auf allen Maschinen gleichzeitig. Somit war die Schlange vor den Ticketschaltern entsprechend lang, und ich verlor so schon mal eine Viertelstunde.

Unten auf dem Bahnsteig dann die nächste Sketchnummer: der nächste Zug Richtung Aulnay-sous-Bois sei 10 Minuten verspätet, meldet die Anzeigetafel. Tatsächlich etwa 20 Minuten später tuckert er aber dann langsam in den Bahnhof ein und ist so rammelvoll dass ich beschliesse den nächsten zu nehmen. Dieser wird auch prompt angekündigt, lugt dann mit 5 Minuten Verpätung auf die angekündigte Zeit schüchtern zum Tunnelausgang raus, kann aber nicht einfahren da da immer noch der andere Zug steht!

Nach ein paar weiteren Minuten geht im ersten Zug dann plötzlich das ganze Licht aus und die armen Passagiere schauen traurig aus ihrer Makrelendose-mit-Fenster heraus.

Nun wird ein dritter Zug auf dem Nachbarsgleis angekündigt, der dann sogar eintrifft und mit uns Richtung Ziel losfährt, während die anderen beiden immer noch im Dunkeln stecken.

Beim Mittagessen des gleichen Tages habe ich übrigens einen Kollegen meines Mitarbeiters kennengelernt, der scheinbar genau in der Konservendose mit Stromausfall eingepfärcht war, der ich frühmorgends begegnete. Er hat es nicht ganz so lustig gefunden wie ich - vor allem auch weil wegen eines Fehlers einer Billetentwertungsmaschine sein Ticket nicht sauber gestempelt wurde und die Kontrolleure im seine Geschichte nicht glaubten, und zudem auch nicht gewillt waren das Ticket schnell elektronisch zu prüfen was die Unschuld des Kollegen bewiesen hätte. Als sich dieser weigerte die 40 Euro Busse zu bezahlen haben sie ihn auf die Polizeistation genommen, wo er dann nach langem hin und her so angepisst war dass er die mittlerweile auf 25 Euro Dicount herabgesetzte Busse bezahlte, nur um endlich an die Arbeit zu kommen. Und seine letzte Bemerkung zu den Kontrolleuren war "Und ihr fragt Euch ernsthaft wieso man Euch verabscheut?!?"

Aber eben, so schlimm ist es ja meistens nicht, und eigentlich gehts ja meist wirklich ganz flott. Und zudem warten die RER-Züge immer mit lustigen Namen auf! Jeder Zug hat nämmlich einen Code, seine "Mission": dieser Code enthält vier Buchstaben die scheinbar was mit Strecke, Richtung und angefahrenen Stationen zu tun hat. Der Stromausfall-Zug etwa war EWOK (kein Wunder mochte das kleine Pelzknäuel die vielen Pariser nicht tragen), und schon zweimal war ich im EMIR unterwegs, was hier wesentlich billiger ist als im Emir (Schweizer Bezeichnung für die Mirage IIIDS Überschalltrainer) des Fliegermuseums Payerne, bei der man als Passagier doch immerhin 18'000 Stütz hinblätttern muss.
Auch mit ENYA war ich schon unterwegs, und mit Eisbär KNUT und Sprudelwasse KOLA gings auch schon durch die Pariser Agglo. Und heute Abend bin ich dann auf der... ich meine natürlich mit der KATY heimgeritten...

RER heisst übrigens Réseau Express Régional, also in etwa soviel wie Regionales Express Netzwerk. In der Zwisschenzeit glaube ich aber dass die Bezeichnung RER nur als Abkürzung getarnt ist: Eigentlich heisst es Erreur...

Das Arbeitsverhältnis

Gestern wurde mir um genau 8:42h mal wieder bewusst dass es hier etwas anders zu und her geht als in der Schweiz. Ich war zu diesem Zeitpunkt natürlich bereits mitten drin in den Vorbereitungen für die Ausbildung am Nachmittag.

Rundherum waren alle Büros noch dunkel und leer - fast schon ein bisschen unheimlich.

Ich schaute auf meinen Kalender: Montag, 1.Dezember 2008. Ok, ich habe mich also nicht im Datum geirrt und bin versehentlich am Wochenende zur Arbeit gesaust.

Um 8:46 kam dann der erste der Informatiker in das Büro dass ich mit ihnen teile wenn ich nicht gerade im Labor bin, ein Büro mit sechs Arbeitsplätzen. Um 9:09h kam dann bereits der zweite!

Klar, der eine oder andere wuselt schon früher mit einem Becher Kaffee oder Tee mehr oder weniger zielstrebig durch die leeren Gänge dieser Kosmetikschmiede, aber wenn man vor Acht jemanden antrifft handelt es sich garantiert um eine Raumpflegerin oder einen Dübelversenkungsspezialisten oder so. Bis die Belegschaft dann aber wirklich als anwesend und arbeitend gilt wird es sicher neun bis halb zehn.

Ich hatte ja heute schon Glück dass mein Mitarbeiter Pierre bereits um acht da war und mir ein Tässchen Tee kochte während wir uns von unseren Wochenenden erzählten. Pierre gilt als ausgesprochener Frühaufsteher unter meinen Kameraden hier. Es wird dann wohl auch vier Uhr, allerspätestens vielleicht halb fünf nachmittags werden bis er sich zurückzieht und noch schnell fröhlich winkend am Laborfenster vorbei nach Hause düst.

Es ist mir aber auch schon passiert dass ich um 8:20h noch ganz alleine vor der Labortür kreiste bis die erste Praktikantin auftauchte und mir das Tor zum Labor und somit zur Arbeit öffnete.

Hier herrscht halt die 35-Stunden-Woche! Dies bedeutet grob etwa dass pro Woche so ziemlich genau ein ganzer Tag weniger gearbeitet wird als bei uns. Nicht übel bei den Franzosen, was?

Selbstverständlich behält man aber seine braven Schweizer Gewohnheiten bei und zieht seinen etwas-mehr-als-nötig Schnitt durch.
Hah! Es hat im Oktober in Basel bei der Vorbereitung zur Auslieferung des nun hier installierten Geräts Tage gegeben an denen ich gleichviel gearbeitet habe wie ein Französischer Makeup-Forscher in einer halben Woche!

Vielleicht denken sich die Franzosen - die ja bekanntlich gerne über die Langsamkeit der Schweizer schmunzeln - dass sie wie ihre feurigen Camargue-Pferde in 35 Stunden mindestens das Gleiche erreichen wie wir gemütlich wiederkäuenden Alpenrinder in 42 Stunden grad mal so knapp hinkriegen?

Man weiss es nicht.

Aber Spass beiseite: Was bedeutet das eigentlich wirklich für die Wirtschaft dieser beiden hier verglichenen Länder? Arbeiten die Franzosen wirklich ein fünftel weniger als wir, oder machen wir einfach 25% mehr als der Rest Europas? Wie können sie sich diese sieben wöchentlich fehlenden Stunden leisten? Klar, die Lohnskala wird entsprechend angepasst sein. Umsonst beneidet man uns Helvetiern ja nicht um unsere dicken Lohnausweise und möchte uns so gerne in der EU haben.

Bloss leider wohl nicht als Vorbild, sondern eben als Milchkuh...

Blöööök!

Montag, 1. Dezember 2008

Home, sweet home...

Ihr fragt Euch ja sicher, wie es sich denn so lebt hier mitten in Paris, und deshalb zeige ich Euch heute mal als "Special Feature" mein kleines aber feines Appartement hier!
Als erstes der Eingang mit der kleinen, aber plusminus komplett ausgestatteten Küche (die Franzosen nennen sowas kitchenette) und der coolen Bar. Gut sichtbar auch die roh gemauerte Rückwand des Wohnzimmers - das wirkt echt gemütlich und altertümlich!
Die Küche verfügt über einen doch fast zu kleinen Kühlschrank, Elektroherd, Mikrowelle und ist mit dem kompletten Satz an Geschirr und Kochutensilien ausgestattet. Sogar Wasserkocher, Kaffemaschine und Toaster sind mit von der Partie, und eine kleine Waschmaschine ist auch grad noch unter der Spüle eingebaut.

Schwenkt man den schweifenden Blick dann quer durchs Wohnzimmer kommt er - an meinem PC vorbeigleitend, den ich grad komplett gezügelt hab (fliegt Ihr mal auf einem Laptop...) - zweifelsohne auf dem grossen Bild über dem Bettsofa zu liegen. Letzteres lässt sich ausziehen und man hat dann bequem Platz für zwei Personen darauf! Ist doch ganz gemütlich hier, oder?
Der PC ist sozusagen mein Interface zur in der Schweiz zurückgelassenen "Normalität" und verbindet mich mit meinen Freunden, meinem Vater mit dem ich regelmässig zusammen online fliege, meinen Schwestern und Mami, mit denen ich immer wieder ein paar Orks und Trollen das faulige Fleisch von den Sch
ädeln haue, und all meinen anderen Kumpels wie eben auch Euch, meinen wehrten Blog-Lesern. *keuchschleimhust*
Neben dem Mitgebrachten Compi gäbe es hier auch noch einen Fernseher mit DVD und irgend so einem französischen Spielfilmkanal, plus Telefon, aber all das hab ich bishher noch nie verwendet.


Hier nun auch noch die Schlummerhalle, auch dies ein gemütliches Plätzchen mit etwas Stein und Holz. Auch diese Liege wäre für zwei Personen ausgelegt, sofern sie denn gut miteinander auskommen, ist aber nur einzeln belegt. Klar man hätte da so seine Ideen aber... *brummelbrummel*

Wie auch im restlichen Appartement ist hier alles irgendwie dabei, wenn auch etwas versteckt: in den Schränckchen hat es Bettwäsche, Badetücher und so Zeuchs, unter dem Bett ist ein Bügelbrett versorgt, und eine kleine aber feine Bibliothek bietet Englischsprachige Literatur verschiedenster Stilrichtungen sowie einiges and Sprach- und Reiseführern für den Bewohner. Letzterer kämpft sich aber immer noch durch mitgebrachte Literatur über Langohrenkrieger und am Bahnhofskiosk entdeckte kondensierte Lebensweisheit ("Merde actually" - ein wertvolles Buch für jeden der mit dem Leben unter Franzosen konfrontiert ist...) durch, bevor er sich Michael Palin's Reise im Himalaya oder dem Weinführer für Bordeaux zur Brust nimmt. Umm, aber irgendwie wirkt das Bild so mit Blitz ungemütlich...

...deshalb also Blitz aus und ab in die Heia! Ah, das ist doch schon besser in diesem Licht! Jetzt also noch Wecker gestellt, Fenster auf, schön reingekuschelt, und dann schauen wir mal wie es Ollowain und seinen Elfenkriegern geht! Ob sie gegen die anstürmenden Trolle bestehen können?!?

Wir werden's sehen!

*gähn* ...aber vielleicht auch erst morgen...

Guets Nächtle!

Sonntag, 23. November 2008

Das erste Wochenende in Paris...


So, das war er nun, mein erster kleiner Paris-Rundgang! Natürlich habe ich Euch auch zwei drei kleine Bilder mitgebracht, und auf dem ersten sieht man denn auch schon eine der grossen Touristenattraktionen der schon als gesammtes grossen Touristenattraktion Montmartre: die Basilique Sacré Coeur.
Ich wohne nur grad mal 400m von dieser von weither sichtbaren Landmark her entfernt und spaziere somit täglich mindestens zweimal daran vorbei. Zum Glück sind zu meinen "Reisezeiten" kaum Touristen unterwegs, denn wenn die los sind wimmelt es hier nur so!

Ich wohne hier also wirklich mitten im Kuchen, direkt auf dem Hügel des Montmartre, dem berühmten Künstler-Viertel von Paris. Amélie ist mir zwar noch nicht begegnet, aber ich denke es wird höchste Zeit dass ich mir diesen Film mal anschaue um etwas besser zu verstehen, wohin es mich hier verschlagen hat.
Malerische kleine Gässchen, viele niedliche Cafés und Restaura
nts machen natürlich auch ganz viel vom Charme dieses Quartiers aus, und zwei für mich persönlich lustige Etablissements möchte ich Euch hier zeigen: Erst mal das kunterbunte (wenn nicht eher sogar leicht kränklich giftige) Lädeli, das vielleicht meinem guten Freund Pail Frank gehört! Also diese knallige Seite kennen wir ja noch gar nicht von Dir, Paul!

Ein anderer Paul, nämlich Hunter-Pilot "Chappe" Ruppeiner (siehe auch mein Album meines Hunterflugs) kommt mir dann auch gleich ums Eck in den Sinn! Es gibt hier nicht nur ein Café Chappe, sondern grad eine ganze Strasse wurde scheinbar nach dem ehemaligen Staffelkommandanten der Fliegerstaffel 3 benannt! Chappeau, Chappe!

Oh wer übrigens vor lauter Augen-zu
sammen-Kneifen schon über die halbe Tastatur tränt und dabei schon einen kleineren Kurzschluss ausgelöst hat beim Versuch, etwas auf den kleinen Bildchen zu entziffern, dem sei geraten doch auch mal auf die Bilder draufzuklickken. Das hilft gegen stechende Augen. Ehrlich!

Auch direkt neben der Sacré Coeur ist mir dieser Reiter begegnet! Was er hier will oder was er hier soll ist mir sehr schleierhaft, aber es ergibt doch einen lustigen Farbklecks, oder?
Naja, ich bin mir aber doch relativ ganz sicher dass ich immer noch in Paris bin, und nicht irgendwo im Blauen Bock, nicht dass mir da plötzlich noch irgendwelche Extrem-Volksmusik-Tendenzen angedichtet werden...
Was man auf dem Bild auch noch gut erkennen kann ist das Hauptbaumaterial Montmartrealischer Strassen: sogenannte Pierres occupés - übersetzt "Bsetzischtäi"...

Hier der Vollständigkeit halber und weils so schön ist auch noch der Blick die Rue Foyatier hoch, eben der Strasse auf der mir das blaue Reh entgegen kam. Dieser steile Weg führt zur Basilika hoch und ist nicht nur teil meines Heimwegs, sondern gleichzeitig auch wichtiger Bestandteil meines Gratis-Fitnessabos...

Nach diesen paar Bildern hat der Akku meiner Kamera denn auch schon sein Leben ausgehaucht, was mir praktischerweise erlaubt die Kamera wieder tief in der Tasche zu verstauen um so nicht gerade auf den Blick wie einer der fünf Trillionen Touristen auszuschauen, die hier durch die Gässchen strömen.
Weiter ging es aber auf der Suche nach Sehenswerten, Essbarem und Nützlichem durch die verschiedensten Strassen bis hinunter zur Oper, die ich elegant umrundete um mit schmerzenden Füssen wieder die Heimreise den Hügel hoch anzutreten.

Was mir dabei gelang:
  1. ...ein leckeres japanisches Mittagessen in der Galerie Lafayette zu ergattern
  2. ...Nahrungs- und Waschmittel zu organisieren
  3. ...eine Captain-Hook Figur zu finden (mehr dazu folgt ein andermal)
  4. ...mich für die zukünftige Shopping-Tour mit meinen Schwestern und Mutter zu inspirieren
Was mir dabei nicht gelang:
  1. ...Stofftaschentücher zu kaufen
  2. ...bis ganz hinunter an die Seine zu düsen
  3. ...einen Schlumpf zu finden
Ihr seht also, es gibt noch einiges zu tun, und wenn denn meine Kamera bis nächsten Samstag wieder geladen ist sollte wieder so einiges hier auftauchen...







Mittwoch, 12. November 2008

Fleischeslust...

Ja, ich kann mich halt kaum zurückhalten hier. Frankreich ist ja schon irgendwie speziell berühmt dafür...

Klar, man kennt es auf der ganzen Welt - muss ja sein, ist ja eine der natürlichsten Sachen der Welt- aber hier, hier in Frankreich ist es halt schon irgendwie eine Spur besser, eine Spur verführerischer, und wer hat nicht schon insgeheim davon geträumt sich mal so richtig verwöhnen zu lassen...

Essen wie Gott in Frankreich? Mon dieu!

Eines ist aber schon mal ganz klar: Gott ist sicher kein Vegetarier! Denn was einem hier den Carnivoren geboten wird lässt alle das Gemüsebouquet leise schmollend und schmorend links liegen lassen (wo es auch hingehört, jawoll!)!

Seit ich vor ca. 10 Tagen hier in Frankreich eingetroffen bin hatte ich fast täglich irgend ein totes Rind von a) geringem Preis und b) äussert hoher Qualität auf dem Teller liegen, und wenn ich mich nicht ganz fest zusammen nehme wird das auch noch ein Weilchen so weiter gehen. Soviel Fleisch ist ungesund, sagt Ihr? Quatsch! Oder wann habt Ihr schon mal einen kranken Tiger gesehen?!? Ihr wiss schon dass die T-Rexe ausgestorben sind weil ihnen der Himmel auf den Kopf gefallen ist, und nicht weil sie zuwenig Sojabohnenmelhlquark gefunden haben, ja?

Heute etwa gab es in der Kantine von L'Oréal als Hauptgericht ein Rindssteak (wunderbar saignant - das haben sie im Griff, die Franzosen) mit Nudeln und Gemüse. Eine zarte Leckerheit sonderer Güte. Zusammen mit Salat vom Vorspeisenbuffet und frischem Dessert und Getränk legt man gerade mal 4 Euro vierzich auf den Tresen, wofür man in der Schweiz ja bekannterweise in einer Kantine bestenfalls eine Kinderausgabe eines zähmumifizierten, dünnen Stücks Schweine-Bauchdecke kriegen würde.

Diniert haben wir dann schliesslich auch grad wieder einen ähnlichen Boviden, ein "pavé de boeuf", ebenfalls blutig - lauwarm als wärs noch fast lebendig - zusammen mit einer Kartoffel mit Sauerrahm und dazu eine feine Zwiebel/Rotweinsauce (Pic courtesy of Daniel Juchli's Handy-Camera...):


Achherrje, Life is good...

Dienstag, 11. November 2008

Kopf hoch, oder Kopf ab...

Aua aua aua!

Heute kommt hier nicht viel schlaues raus, sondern nur etwas Gejammere und Geselbstbemitleide. Ich habe nämlich trotz halbem frei (die Franzosen feiern dass vor 90 Jahren der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen ist) alles andere als einen guten Tag: Ich habe eine Genicksstarre wie ich sie noch niiiie erlebt habe!

Ich kämpfe nun seit etwas über einer Woche mit einem leicht verdrehten Hals (nein, es sind nicht die attraktiven Französinnen, die meinen Halswirbeln so übel zugesetzt haben, sondern eher das Klima und ein vermutlich zu geringer Level an Keratin-Absonderungen flugfähiger Wandertiere, die traditionsgemäss in mittelgrosse Stoffsäcke gefüllt werden, damit wir unsere müden Häupter darauf ablegen können...).

Der grosse Fehler war es, heute den Wecker zu stellen - ist ja auch wirklich doof an einem Feiertag - denn zum Abschalten hab ich meine Wirbelsäule heute Morgen um Sieben um total ungefähr 270° verdreht, um mein düdelndes Connectophon zu ergreifen.

Und dann zuckte es nur noch...

Im Grunde fühlt es sich an wie ein Wadenkrampf, einfach auf der linken Halsseite. Es ist noch relativ knifflig und anstrengend, die verkrampften Muskeln anzuspannen - man soll ja bei Muskelkrämpfen nie lockern sondern immer voll dagegen drücken - wenn man nicht weis wo sie anfangen und wo sie hin sollen!
ich glaube es sieht auch relativ doof aus wenn jemand am Frühstücksbuffet in der Hotellobby mit seinen Händen scheinbar versucht seinen eigenen Kopf auszureissen und dabei ein langes gequältes "Ghhhhnnnnhhhhhhhhhhhh!!!!" von sich gibt. Zum Glück war noch eine Englische Schulklasse im Hotel, unter denen bin ich nicht so sehr aufgefallen (also mal ehrlih: nicht einmal die Britische Jugend weiss wie man sich kleidet und benimmt...).

Jetzt hocke ich da, schreibe verklemmt eine Applikation für die Acceptance Tests von morgen und hoffe, dass der nächste Krampfanfall im Hals ausbleibt. Wünscht mir Glück!!!

Oh, ich werde in Zukunft dann aber ehrlich auch versuchen, endlich mal mit etwas mehr Abenteuern, Hintergrundinfos und Humor den Blog zu verpesten, also tretet meinen Link noch nicht grad in die Tonne, okiday?

Donnerstag, 6. November 2008

Die halbe Wahrheit über Frankreich

So, grad am Ende des zweiten Tages meines Abenteuers hier in Paris haben wir - also ich und Carsten - eine neue, lebenswichtige Sache gelernt: nicht nur beim allgemeinen Zählen (ich erinnere an meinen Eintrag von vor über einem Jahr, Stichwort Vier-Zwanzig-Achtzehn...) und Richtungsangaben (gerade aus heisst ganz rechts...), sondern auch bei Volumenangaben sind die Franzosen ziemlich unlogisch. Erst die Geschichte, dann das Rechenbeispiel:

Abends nach Ladenschluss bei L'Oréal (yep, entsprechend unseren Schweizerischen Gewohnheiten sind wie die letzten in der Bude und gehen erst wenn sie wirklich alle Besucher draussen haben wollen) spazieren wir bei Nieselregen durch Aulnay und suchen ein Resto, finden irgendwann auch ein recht gemütliches Pub mit grosser Speisekarte, in der wir hocherfreut la bière à préssion in den Stufen 25cl, 50cl und 100cl erblicken.

Natürlich bestellen wir enthusiastisch bei der sehr freundlichen Bedienung je einen "demi litre", also das was bei uns so als "Haublitter" oder "Chibu" durchgeht.

Die Dame bringt uns dann zu unserem - natürlich dezent zurückgehaltenem - Entsetzen je eine Stange von 2.5 Dezi!

Ok, denken wir uns, kann ja mal vorkommen dass man sich verhört im Gastgewerbe.

Wenige Diskussionsrunden später (viele warens ja nich' bei nur grad mal 250ml Stella Artois, aber ein paar Dienstzeitanektoden passten rein) brauchen wir flüssigen Nachschub, und bestellen wieder zwei Halbe, in der Hoffnung dass wir denn nun dieses mal korrekt verstanden werden.

Zu sprachlos nachzufragen was los ist waren wir aber als dann wieder nur so zwei kleine 25cl-Müsterchen hingestellt wurden, und als die kleine Biermenge verdunstet und unser Schock überwunden war entschlossen wir uns es noch ein letztes Mal zu versuchen, einen halben Liter Bier zu ergattern.

Dieses Mal fragte ich dann aber genau nach, was es mit der kleinen Menge auf sich hat. Also aufgepasst!

Ein "Demi" ist einfach ein halbes BIER, nicht ein halber LITER, denn dieser wäre ein "Pint".

Nun also das Rechenbeispiel:

1 Liter / 2 = ein ganzes Bier = 1 Pint
1 Liter / 4 = ein halbes Bier = 1 Demi

Ich bin froh dass ich DAS jetzt weiss!