Samstag, 31. März 2012

Lustige Bilder...

Manga kennt Ihr, ja? Übersetzt "Lustige Bilder", also die japanischen Comics.

In der Zwischenzeit sollten es nun alle begriffen haben dass Mangas nicht nur für Kinder sind, sondern durchaus eine Kunstform auch für Erwachsene sind (nein, ich meine nicht die Varianten mit anatomisch eher unrealistischen Ladies und Tentakeln und, ehm, und,... na, Ihr wisst schon...).

Comics sind nicht nur ein 5 Milliarden Dollar Wirtschaftszweig in  Japan alleine, sondern auch im Alltag allgegenwärtig - etwa in Form von überall anzutreffenden lustige Figürchen und Tierchen als Werbebotschaften. Einleuchtend bei Spielzeugläden, lustig bei Zahnarztpraxen, fast etwas befremdlich aber an Feuerwehrautos...

Hier mal ein ganz kleiner Querschnitt - aber ich versuch weiterzusammeln...

Schild mit Kröte...

Klein "Hello Kitty" ist natürlich gaaanz "Big in Japan"!

Lustiger Ochse mit Katze und Maus...

Domo arigato, Rabitto-Roboto!

Hehe, Hammer, oder? Den fand ich in einem Kloster...

Zähneputzen - gaaaanz wichtig auch für Krokos!

Ein Himeji-Schloss-Pokemon (oder so...) oder eine Hello Kitty Geisha? Lass gut sein, ich nehm den Saké...

Ah, wenigstens mal ein echter Kinderladen!

...und ich dachte immer eine Apotheken-Schnecke sei was ganz anderes...

Kyoto 2: Halbmarathon

Auweh!

Jetzt bin ich wirklich durch und durch durch!

Ich habe heute grobrastrig gemessen über 22km zu Fuss zurückgelegt - die kleinräumigen Zickzackbewegungen wie etwa in Lädelis und um Sehenswürdigkeiten rum nicht mitgezählt!

Aber es hat sich gelohnt! Kyoto ist wirklich sehenswert, und es gäbe sogar noch vieles mehr zu sehen als wofür ich Zeit hatte.

Jetzt aber losmarschiert!

Dies so grob die zurückgelegte Strecke: Los gings links beim blauen Punkt, direkt vor dem Schloss Nijo...

Blühender Baum vor dem Kaiserplast. Der Palast hat mich etwas entäuscht zumal nur von aussen zu sehen und nie so eindrücklich wie die Burg vom Shôgun. Hier prahlte man eher mit Platz als mit Ästhetik...

...aber auch hier finden sich lauschige Plätzchen!

Der (verschlossene) Eingang zum Palast selbst.

Etwas im Norden des Palastes steht der Shokoku-ji Tempel: Ein Zen-Gärtchen lädt zum Meditieren ein...

Zentrum...

Torii und Glocke hinter dem Shokoku-Ji...

Der Tempel selbst - in seinem Innern übrigens eine Decke mit einem etwa 20m grossen Drachengemälde, meinem Schwesterlein-Klein durchaus würdig!

Ein Dachziegel-Löwe! Gargoyles waren aus...

Am Kamogawa-Fluss entlang flaniert man durch die Frühlingssonne.

Hoch zum Maruyama-Park mit seinen wild durcheinadergewürfelten Tempelchen und Schreinchen  (und Souvenirständchen, und Snacklädelis,...)

Brunnen um sich mit (glaubs) heiligem Wasser zu verköstigen...

Fast gemalt wirkt das Bächlein durch den Park nach etwas elektronischem Überzeichnen...

Das riesige Tor hoch zu den Shoren -in und  Chion-in Tempeln, die leider gerade restauriert werden.

Ein paar traditionel gekleidete Japanerinnen mischen sich unter die Touristen vor dem Kinnin-ji Schrein...

Eine Strasse im traditionellen Vergnügungsviertel Gion mit seinen vielen Teehäuschen, in denen Maiko's (Kyoto-Bezeichnung für Geishas) ihren Gästen aufwarten.

Selbst ein simpler Eingang in Gion ist natürlich schon sehenswert...

So typisch Kyoto: mit Kabeln verhänges Pontocho-Gässchen an denen sich dutzende kleiner Gaststätten reihen...

Am Schluss dan müde und mal wieder überwältigt durch die langen Einkaufsstrassen zurück Richtung Hotel...

Irgendwelche Rettiche werden hübsch präsentiert zum Verkauf angeboten. Ob man daraus Wasabi macht?


Jetzt brauch ich aber einen Kaffe! Und ich weiss auch schon wo...

Oh, übrigens habe ich nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel grad nochmals etwa 5km angehängt um mir was zu Essen zu suchen - irgendwie ziehen einem die Strässchen Kyotos einfach in ihren Bann!

Freitag, 30. März 2012

Beinfreiheit

Sagt mal, liebe Schweizerinnen, habe ich nicht schon damals vor einem Jahr während meinem Trip nach Hong Kong die da üblichen, nicht unangenehmen Modetrends der weiblichen Bevölkerung erwähnt?

Nun, In Japan ist es genauso, wenn nicht sogar noch verbreiteter dass man (ehm, ich meine Frau...) viel Beinfreiheit geniesst (ehm, ja doch, Mann geniesst auch...*grins*).

Also soooo schlecht kann es in dem Fall ja nicht sein, in Asien klappts ja scheinbar - und wärmer ist es hier in Japan auch nicht als bei uns!

Und *zwinker* Ihr habt doch sicher die schöneren Beine, oder? Die Tü-Tü's,
Überkniesocken und das Pokemon/Disney-Outfit dürft Ihr auch beiseite
lassen, versprochen...

Na, hör ich da ein "Challenge accepted"?


...


Okeh, Ihr habt's wahrscheinlich nicht nötig, sowas von mir zu hören. Versteh ich ja auch.

Wechseln wir also das Thema zurück zum eigentlichen Thema, nämlich Japanerinnen (gebt's zu, darüber wolltet Ihr doch schon von Anfang an von mir hören, ich kenn Euch doch!).

Nun, im Gegensatz zu einem Katana ist das eine zweischneidige Sache: Jaha, die Samurai-Schwerter sind nämlich im Allgemeinen nur einseitig geschärft, und nur ein paar Ninja-Säbel wurden zweischneidig hergestellt. Als die Japaner ganz früher aber noch chinesische Schwerter benu...

*doof-blinzel* Eh, ja, schon wieder abgeschweift, sorry...

Also, die Damen hier haben neben ihrem sehr oft ausgezeichnetem Aussehen (die oben angedrohte MickyMaus-Fraktion ist zum Glück erfreulich untervertreten...) ein weiteres zumindest für mich eigentlich praktisches Merkmal: sie sind sehr schüchtern, zumindest gegenüber Gai-jin aus dem Westen wie - einfach so zum Beispiel - mir! Das gibt mir umgekehrt ungewohnterweise etwas mehr Selbstvertrauen einen Blick halt auch mal zu erwidern oder ein Lächeln zurückzusenden.

Wenn da nicht das zweite Merkmal wäre - ein Killer sondergleichen, fies und effizient: Kaum jemand hier spricht Englisch!

Schauen wir mal:

Da wäre zum Beispiel mal die Frappucino-Mixerin aus Kyoto mit ihren verwegen wilden Haaren und den frech lachenden Augen, die mich beim zweiten Besuch sofort wieder erkannt und mit einem heftigen Winken und einem ach so fies süssen Lächeln begrüsst hat - leider nur auf japanisch...

Oder dann heute im überfüllten Zug von Kyoto nach Himeji: Ein wunderhübsches Fräulein das mich schon auf dem Bahnsteig ab und zu mal angelächelt sich im Gedränge im Zug wieder und wieder schüchtern zu mir umgedreht hat. Als sie - irgendwo zwischen Osaka und Kobe - mal hinter mir eingekeilt war hätt ich schwören können dass sie sich immer wieder mal ein Bisschen an mich angelehnt hat, während alle anderen drumherum trotz Sardinendasein jeden Körperkontakt geschickt  vermieden haben - man hat hier ja schliesslich Übung im Zugfahren zu Stosszeiten.

Bei irgend einer dieser chaotischen Neuanordnungen von Zugsreisenden während Ein/Aussteigen hat sie mir dann mal auch ganz freundlich und hilfsbereit gezeigt, wie ich mich am besten zwischen zwei Geschäftsleuten mit meinem Koffer in eine etwas weniger unbequeme Position bringen kann. Natürlich auf japanisch...

Und während ich hier tippe kringelt sich hinter mir das Biest vor Lachen auf dem Boden. Na super.

Kyoto 1: Schloss Nijo

Kyoto. Kaiserstadt.

Mein erstes 'echtes' Urlaubsziel habe ich hier erreicht, und flugs bin ich per Taxi vom Bahnhof ins Hotel gerauscht, um meine Füsse noch etwas zu schonen. Mein Hotel, hier direkt neben dem Nijo-Schloss.

Hm, was könnte näher liegen als das so nahe liegende Schloss gleich mal zu besuchen? Treten wir durch die schweren Holztore und schauen wir ob es sich lohnt...

Nun, ich kann sagen: JA!!!

Das Schloss Nijo ist wahrscheinlich eine der schönsten menschengeschaffene Angelegenheit die ich je gesehen habe! Sie waren vielleicht skrupellose, blutrünstige krieger, die Samurai, aber sie verstanden sich auch sehr gut darin, unglaublich schönes und poetisches zu schaffen.

Auch diese Burg wurde - wie schon die bereits gezeigte von Nagoya - vom Shogun Tokugawa Ieyasu gebaut. Ich kann es mir gut vorstellen, wie die Herrschaften gemächlich durch die Gärten  geschlendert sind, nachdem sie in den schlichten, und doch irgendwie oppulenten Räumlichkeiten der beiden Paläste ihre streng ritualisierten Staatsgeschäfte verrichteten.

Machen wir also eine Zeitsprung! Stellt Euch vor im Kimono zu stecken, ein Katana und Wakizashi im Obi, ein Fächer in der Hand. Stellt Euch vor an meiner Seite in einer anderen, vergangenen Zeit durch die Schlossanlage zu wandern...

Der Ninomaru-Palast erhebt sich vor uns: Verwittertes Holz und goldverzierte Torbögen. Ziehen wir die Schuhe aus und treten wir ein in den Palast, wo viele gleich ausgelegte, aber innen anders geschmückte, mit Tatami-Reismatten ausgelegte Räume warten: mal zieren die Wände Landschaftsbilder mit Zedern, mal Blüten und Vögel, und schliesslich gar ein paar grimmige, stolze Falken - dies im Raum wo die Waffen des Shoguns gelagert waren.

Um die Räume herum waren lange Gänge mit sogenannte Nachtigal-Böden angelegt: kleine Metallzungen unter den Holzplanken geben zwitschernde Geräusche von sich, wenn man über den Boden geht - speziell eingebaut um die Samurai vor möglicherweise anschleichenden Meuchlern zu warnen.

Hihi, ich habe mit etwas Verwunderung festgestellt dass ich immer viel Gezwitschere vor und hinter mir höre, aber selten bei mir - wusste gar nicht dass ich so elfenhaft leichtfüssig bin...

Schliesslich treten wir wieder raus aus dem Palast, und wir schlendern durch den Garten. Unser Herz macht einen Sprung als wir...

Äh was? Genug geschrieben meint Ihr? Umm, ja ok, dann lass ich doch besser einfach mal die Bilder sprechen...

Schon das Tor der Burg ist ein Kunstwerk für sich...
Wenn einer meint das hier was geschreibselt wär,
so irrt sich der...
Detail des Karamon-Tores vor dem Ninomaru-Palast - letzterer ist zwar zugänglich (und auch innen wunderschön), aber leider nicht fotografierbar.
Die Ästhetik einer einfachen Wand, ein paar Besen und einem Baum...
Ein Phönix ziert - zusammen mit einem ganzen Zoo von mythischen Kollegen - den Ninomaru-Palast.
Traumhaft! Der Teich der Anlage - alle paar Schritte tut sich eine neue Welt auf!
Vor dem Burggraben und den Fächermauern des Honomaru-Palastes...
Die Kirschblüten sind noch nicht soweit, aber Aprikosen und Pflaumen blühen schon hübsch frühlingshaft...
Einmal mehr ums Eck, einmal mehr ein Leckerbissen für's Auge (und die Seele...)!
Teehäuschen...
Nun hoch zum Honmaru-Palast!
Von der Mauer oben sieht der Blütenhain fast wie Spielzeug aus...
Blick die andere Seite runter über die Honmaru-Anlage...
Auch dieser Palast wieder perfekt in die harmonisch angelegte Kunstlandschaft eingepasst...
Burarum! Ein Ent? Oder ein Baum-kami?!?
So, fertig aber jetzt! Es ist spät und die Tore werden langsam verschlossen...
Beeindruckt und tief berührt von der Schönheit des Nijo-Schlosses trete ich still über die Strasse in Richtung meines Hotels zurück. Die Ampeln blinken und die Autos murmeln die vielbefahrene Strasse entlang. Menschen rennen am Handy quasselnd zur Bushaltestelle.

Ich drehe mich nochmals zu den elfenbeinweissen Türmen um, bevor sie im Schatten versinken.

Die moderne Welt hat mich wieder - aber ein Teil von mir ist hinter diesen alten Mauern geblieben...

Sonntag, 25. März 2012

Nagoya

So, heute war ich also erstmals als Tourist unterwegs: mit dem Zug gings von Yokkaichi nach Nagoya Station, und von da mit meinem Lieblings-Städteerkundungsverkehrsmittel - zu Fuss - erst zum Schloss und dann zum Tokugawa Art Museum.

Endlich also ein paar Bilder für Euch - dafür aber relativ wenig Text denn ich bin ziemlich auf dem Hund...
Damit auch jeder weiss wo wir grad sind....
Die Burg Nagoya des Clans Owari-Tokugawa schält sich aus den Zedern...
Der Frühling hält auch in Japan Einzug, trotz herber Frische...
Die Burg wurde, nachdem sie von den Amis im WW2 bombardiert wurde, 1959 wieder aufgebaut...
Ein antikes Katana - scharfes Stück, nicht?
...und eine typische Rüstung eines Kriegers - why so serious?
Die Tokugawas liebten es offensichtlich, ihre Gemächer mit Tigern zu schmücken...
Weiter gings zum Tokugawa-Garten und dem (leider nicht fotografierbarem) Art Museum!
Ich erinnere mich an ein ähnliches Bild aus Irland, da aber ohne Stadtkulisse...
Was schaus't denn so plöd, Mensch! Dem Karpfen bin ich Sushi-Esser wohl etwas unheimlich...
So, dies meine ersten echten fotographischen Eindrücke aus Japan (Essen zählt nicht...)! Ich hoffe sie haben Euch gefallen!

Oh noch was: wer nicht weiss wer die Tokugawas sind kann sich gerne etwas im Netz schlau machen: Die Tokugawas waren die mit etwa 200 Jahren am längsten regierende Shôgun-Dynastie Japans und waren bis zur Meji-Restauration von 1868 an der Macht.
Kennt Ihr noch das Buch oder die Fernsehserie "Shôgun" von James Clavell? Der fiktive Shôgun von dem diese Geschichte handelt, Yoshi Toranaga, war Tokugawa Ieyasu nachempfunden, den ersten Tokugawa-Shogun der auch das Schloss Nagoya aufgebaut (und nebenbei Edo, das heutige Tokyo, ins politische Zentrum Japans gebracht hat) hat. Das Familienwappen ('Mon') der Tokugawas sind drei Haselwurzblätter:

Bild: http://koei.wikia.com/wiki/Tokugawa