Mittwoch, 25. März 2009

Klingenwirbel

Ich atme leise aus, ziehe mich geistig zurück aus der Welt und verschwimme sofort in den schmalen Spalt zwischen den Dimensionen, den wir Schurken und Assassinen zu unserem Spielplatz gemacht haben. In der Welt des Sichtbaren bin ich nun kaum mehr aufspürbar, ein blosser Schatten, ein kaum wahrnehmbares Flimmern.

Die Vrykulls müssten direkt auf mich draufstehen um mich zu bemerken!

Meine Lederrüstung gibt keinen Laut von sich während ich mich langsam mitten in die Gruppe der hühnenhaften Nordläner schleiche. Tagelang habe ich die mühsam erworbene Rüstung ja genau deshalb geölt, eingewalkt und geschmeidig gemacht. Ich weiss gar nicht mehr wieviele Purzelbäume ich geschlagen habe um das Leder auf den harten Einsatz im Kampf vorzubrereiten, wieviele Berge ich hochgerannt bin um meine Kondition zu stählen, und in wievielen Pfützen ich stundenlang regungslos gelegen bin um mich abzuhärten und mich an die Entbehrungen als Assassine zu gewöhnen...

Gut zwischen den vier Gegnern plaziert schiele ich zu Setara, die zusammen mit dem Rest meiner Gruppe hinter einer Biegung des Festungsganges wartet. Sie lockert ihre Schultern, lässt ihre langen Eckzähne in einem Lächeln aufblitzen, und nickt mir Ihre Bereitschaft zu, gleich loszubreschen.

Ich muss grinsen ab der Traube aus treuen Freunden, die dort hintern auf mein Losschlagen wartet: Hinter der blassblauen Draenei Setara erhasche ich einen Blick auf die Elfenpriesterin Sternenlied, die - diesmal nicht mit einer Blume sondern einem gefährlich aussehenden Kampfstab bewehrt - fast schüchtern hinter Setara hervorblinzelt. Dahinter der kahlköpfige Thrud, der sein feuriges Kriegertemprament so kurz vor der Schlacht kaum mehr zügeln kann und breit grinst, und der Nachtelfenkrieger Arantir, wie immer ruhig und besonnen, ein still brodelnder Vulkan kurz vor der Eruption.

Ich stelle mich hinter den Magier der Vrykull, und ramme ihm blitzschnell den Knauf meines Dolches hinter den Ansatz seines gewaltigen Kopfes, direkt auf einen Nervenstrang. Seine Gefährten bemerken nicht einmal dass der Magier nun paralysiert ist und schauen weiter gelangweilt im Gewölbe des unheimlichen Turmes herum während ich immer noch unsichtbar bewegungslos innehalte.

Setaras wachem Blick entgeht aber nicht, dass der eine Gegner scheinbar im Stehen eingenickt ist, und mit dem für ihren Stand so typischen magischen Todesgriff zerrt sie einen der verbliebenen drei Vrykull-Riesen zu sich und beginnt mit ihrer Zweihandaxt beidhändig auf ihn einzuschlagen.

Die anderen beiden nun aufgeschreckten Vrykulls stürmen los, um ihrem Gefährten gegen die tobende Todesritterin beizustehen, doch mit einem weiteren gut gezielten Hieb stelle ich einen der beiden für ein paar Sekunden kalt. Dann stürme ich den anderen hinterher, die zwischenzeitlich bereits all ihre Wut auf Setara loslassen und sie mit Schwerthieben überdecken.

Ein wüstes Getümmel entsteht um Setara als die beiden Krieger meiner Truppe auch zur Todesritterin stossen und sich in Duelle mit den riesenhaften Nordmännern verstricken. Grösser, zäher und kräftiger als wir sind sie, die Vrykull - aber wir sind erfahrener...

Sternenlied lässt derweil Heilzauber nach Heilzauber auf meine Mitstreiter wirken, um sie vor den zermalmenden Schlägen der Gegner zu schützen und ihre Wunden zu heilen. Gleichzeitig tanze ich immer wieder flink in das Handgemenge hinein, um den ungeschützten Rücken unserer Feinde präzise und vernichtende Dolchstösse zu versetzen, immer aber auch erpicht darauf, den schwirrenden Klingen der Gegner auszuweichen.

Der erste Vrykull fällt unter den Schlägen der wütend brüllenden Setara. In dieser sekundenkurzen Atempause blicke ich über meine Schultern zurück zu den beiden Opfern meiner Betäubungskünste: Gut, der Magier döst noch tief, aber der andere Krieger hat sich aus seiner Paralyse losgerissen und stürmt nun auch auf unser Handgemenge zu.

Reflexartig wirble ich im zwei Wurfsterne in seinen Oberkörper bevor er bei mir angelangt ist, und ziehe dem überraschten Hühnen meine Dolche über die Brust. Diese Verletzungen werden ihn sicher töten, das wissen wir beide, aber in seiner Rage packt mich der Vrykull und stellt sich an meinen nur leicht gepanzerten Körper wie einen dünnen Zweig zu zerbrechen.

In letzter Sekunde stürmt Thrud mir zu Hilfe und mein Widersacher sinkt unter dem Hagel Thrud's beider Streitkolben leblos zusammen.

"Müssen mehr aufpassen, kleine Inachis!" grinst der wuchtige und Menschenkrieger mir zu und rauscht so schnell er gekommen war wieder zurück ins Getümmel, wo meine Freunde auf den verbleibenden Vrykull-Krieger einschlagen und seine letzte Verteidigung durchbrechen.

Ich aber renne in die andere Richtung um meine ganze Aufmerksamkeit dem Magier zu widmen: der Vrykull-Zauberer ist ebenfalls aufgewacht und beharkt nun aus der Ferne die Nachtelfe Sternenlied mit Feuerbällen und unheiligen Flüchen, um sie daran zu hindern ihren Freunden beizistehen.

Bei ihm angekommen lege ich ihm meine Garottenschnur um den Hals um ihn zu erdrosseln, und seine die Priesterin versengenden Sprüche verstummen endlich während er sich mit zitternden Händen von meiner tödlichen Umarmung zu retten versucht. Ein tiefer Dolchstoss in den nur von einem groben Stoffgewand geschützten Rücken und dieser letzte Gegner erschlafft leblos in meinen Händen.

...

"Söö, das wor schön mal nicht schlecht" höre ich Thrud in seinem typischen Sächsisch über meinen Kopfhörer kommentieren - jetzt wieder mit etwas mehr Vokabular und Gramatik als eben noch im Spiel.

Setara entschuldigt sich derweil dafür, die "Aggro" nicht bis zum Schluss bei sich gehalten zu haben, weshalb Sternenlied dann auch ein paar Zaubersprüche auf die Mütze gekriegt hat. Letztere lacht auf während sie von Arantir geknuddelt wird: "Selber schuld wenn ich mich so hervorstelle und mich zu einem lohnenden Ziel mache! Dein Tanken war schon ok!"

"Inchen!" zwitschert Setara - in Wirklichkeit meine Schwester Madeleine - "Du Dödel hast den falschen betäubt!"

"Jaja", lache ich zurück, "ich hab erst nachher gesehen das Du ja den linken für mich markiert hast. Kommt nicht wieder vor, versprochen!"

Scherzend und lachend verteilen wir die virtuelle Beute und den Plunder den wir bei den Computergegnern finden, und ziehen dann weiter durch den Turm der Feste Uldaman, mit dem Ziel den Drachenlord endlich zu stürzen...

Donnerstag, 5. März 2009

Grounded to the Sky...

Langsam,laut ratternd und kreischend bewegt sich der elend lange Tatzelwurm durch die Pariser Vorstädte. Zusammen mit hunderten weiteren Reisenden bin ich eingepfärcht in einen hässlichen, vergammelten Zug, der über rostige Geleise an versprayten Betonwänden vorbei in die grosse Stadt rollt.

Ich blicke in den Abendhimmel, und innert Sekundenbruchteilen ändert mich meine Stimmung von langweilig-traurig in glücklich-beflügelt. Blitzschnell verlässt mein Geist den Zug und reist in Zeit und Raum...

Ich schmecke wieder den Kuss ihrer Maske, rieche ihr Parfum Sauerstoff, geborgen in der Umarmung ihres Schleudersitzes. Lachend gebe ich mir der Leidenschaft ihres pfeilschnellen Fluges hin...

Noch nie so wie hier, noch nie so wie jetzt, war ich so sehr ich selbst. Verschmolzen mit dieser Maschine aus Aluminium und Stahl erkenne ich mich wieder als das Wesen das ich immer zu sein geträumt habe, kein blosser vom Baum gefallener Affe, sondern ein beflügelter Geist, frei wie der Sturmwind.

Mit der Hawker Hunter T.68 J-4205, einem Jagdbomber-Trainer der bis 1994 in den Diensten der Schweizer Luftwaffe stand, fliege ich wieder durch die Alpen, teils gesteuert von Goliath, teils selbst die Hand am Knüppel. Die wildesten Kapriolen machen wir, der erfahrene Militär- und Linienpilot zu meiner Linken, und ich - ein sonst eher schüchterner, vorsichtiger und ängstlicher Junge, der sich verbissen weigert, erwachsen zu werden - zu seiner Rechten.

Hanspeter "Goliath" Reusser - mal nicht am Steuer einer Swiss Airbus 330 sondern im Cockpit des getarnten Kampfjets - steuert den Hunter direkt durch die bloss 180 Meter breite Wendenlücke, legt den Jet auf den Rücken und zieht in in einer engen Walze tief hinein ins Tal. Oben ist plötzlich unten, Wiesen und Felsen erheben sich vor der Flugzeugnase. Es drückt uns in die Sitze während unser Jet aus dem Tal hinaus schiesst. Ohne eine Funken Angst vor den nur wenigen dutzend Metern und ein paar Sekundenbruchteilen entfernten Felsen. Absolutes, unerschütterliches Vertrauen in den erfahrenen Piloten und die robuste Maschine.

Ich glaube rückblickend war etwas ganz anderes die grösste Angst die ich vor diesem Flug hatte, die Angst davor mir selbst zugeben zu müssen dass der Bubentraum den ich mein Leben lang mit mir getragen habe nur eine Illusion war, und dass der Himmel und die Fliegerei halt doch nicht meine Welt sind. Dass mein Körper und mein Geist die Strapazen eines Fluges mit einem richtigen Kampfflugzeug nicht verkraften würden.

Direkt daneben die zweite Angst: Was wenn die Erfüllung meines Lebenstraums wirklich so wundervoll ist wie erträumt? Stehe ich dann vor einem grossen Loch, keine Ziele und keine Träume mehr für die es sich zu kämpfen lohnt? Game over?

Schmunzelnd schaue ich in die golden beleuchteten Wolken über Paris, die wohlige Wärme und Glückseeligkeit durchfliesst mich wie jedes Mal wenn ich an meinen Hunter-Flug zürückdenke. Kein Tag vergeht an dem ich nicht Kraft und Freude aus diesem grössten Abenteuer meines Lebens schöpfe.

Nein.

Keine falschen Illusionen. Keine verlorenen Träume. Was ich erlebt habe war nur der entscheidende Schritt auf eine neue Bewusstseinsebene. Ich weiss jetzt, wer ich bin.

Neu geboren - With a Hunter's Wings I am reborn.

Ich weiss, nur wenige Mitmenschen teilen diese Faszination an der Fliegerei. Die meisten Menschen reden sich ein sie seien ganz zufrieden mit ihren beiden Füssen fest auf dem Boden. Die die sie sich nach dem Himmel sehnen werden oft belächelt, mehr und mehr sogar verschrien und verflucht. Krachmacher. Kriegspieler. Elitäre Hedonisten.

Aber seid Ihr Euch da so sicher? Schaut Ihr nicht auch manchmal auf zu den Wolken und wünscht Euch, Flügel zu haben?

Ist Euch schon einmal aufgefallen in wie vielen Musikstücken Flügel, Fliegen und Freiheit vorkommen, oft zusammen auch mit Liebe und Glück?

Das sind nicht bloss Floskeln, das ist der Traum den wir geschenkt bekommen haben als unser Geist die Fähigkeit erlangte die Welt nicht nur zu erkennen, sondern zu erdenken und zu erfühlen. Ich behaupte der Traum des Fliegens ist so alt wie der Mensch selbst.


Seid Ihr Euch auch bewusst dass Ihr Geschöpfe des Himmels seid? Wir sind nicht vergraben in der Erde, tauchen nicht im Wasser, sondern ragen direkt in den Himmel hinein! Bloss ein Sprung, sei es körperlich oder im Geiste, und wir heben ab in die Freiheit!

Ok, sehr schnell kommen wir auch wieder runter - aber wir haben eben Möglichkeiten erfunden unseren Körper auch da oben zu halten, da, wo unser Geist immer wieder hinzieht!

...

Ich wünschte alle könnten erleben was ich erlebt habe, fühlen was ich fühlte. Die Welt von oben aus neuen Perspektiven sehen...

Und ich danke meinen Eltern, die mir diese Möglichkeit gegeben haben den Traum meines Lebens zu erfüllen...

Und Ihr da draussen: Fliegt doch mal wieder! Schaut Euch die Welt und Ihre Schönheit an!

Wichtig dabei aber: schaut nicht nur - lernt auch zu sehen!