Montag, 12. Januar 2009

Sunny Afternoon...

Die ganze Woche schon saugen die klaren Nächte die spärliche Wärme hinaus ins All. Todbringend entziehen die eisigen Winde Vampiren gleich das Leben aus der Stadt. Was zurückbleibt ist klirrende Kälte und ein feines Schäumchen karstigen Schnee selbst hier im selten weiss angepuderten Paris. Dies mag sehr traurig tönen, und bitter ist es sehr wohl wenn man frühmorgends den Hügel hinab schlittern muss, aber weit gefehlt wer denkt dass man dem Winterwetter keinen Glanz abzubringen vermag: Das Wetter am Tag ist sonnig und verspricht schon mal ganz zaghaft dass irgendwann mal wieder der Frühling und das leben ins Land zieht - auch wenn es noch ein Weilchen dauert...

Auch ich ha
be mich an diesem Samstag Nachmittag unter die Tausenden Sonnensucher gemischt die durch die eisigen Strassentäler von Paris ziehen und freudig die Sonne anstrahlen und mich auf den Weg zu einer 11km Spaziergang durch Paris gemacht. Die erste Person die mich angelächelt hat - und zwar auf die ganz spezielle Art wie sie für diese Spezies so üblich ist mit einem Blinzeln - war aber kein Mensch sondern ein hübsches pelziges Rabtier, das sich gemütlich in einem warmen Schaufenster an die Sonne gestellt hat - ein wahres Kunstwerk unter dem von den Touristen so heissbegehrten Kitsch, findet Ihr nicht?


Mein erstes Ziel war aber der Arc de Triomphe, und von diesem berühmtem Bauwerk aus wollte ich die nicht weniger bekannte Champs Elysées hinunter Richtung Louvre ziehen, mir dabei die Füsse vertreten, (relativ...) frische Luft schnuppern und mich etwas in den vielen Läden umschauen. Ich habe dabei auch einen leider geschlossenen Laden mit schönen Japanischen Schwertern gesehen, den ich unbedingt mal offen erwischen muss...
Irgend
wie komisch: auf allen Bildern - auch diesem da rechts ja auch - wirkt der Triumphbogen immer wesentlich grösser als er wirklich ist wenn man direkt davor steht! Ich denke die Perspektive der endlos scheinenden Allée hat da ihre Finger im Spiel.

Weiter ging es an der futuristischen Fassade der Citoën-Schaubude und den irgendwie befremdlich weihnachtlich geschmückten Brunnen des Roosevelt-Kreisels entlang zum Place Clemenceau, wo mir die warme Sonne und die kalten Skulpturen ein paar nette Sujets boten.












Über die Pont Alexandre III hab ich dann kurz aufs andere Ufer gewechselt, nur um eine Abzweigung weiter denn auch gleich wieder die Brücke Richtung Place de la Concorde zu zielen, wo ich dann aber keinen Überschall-Airliner sondern den sogar noch spitzigeren Obelisk von Luxor vorfand. Am grossen weissen Riesenrad vorbei (das hab ich mir aber für den Besuch meiner Mutter und meiner Schwestern aufgespart...) ging ich die wenigen Schritte direkt in die...


Stille.


Fast schon spürbar ist sie, die Stille des Jardin des Tuileries, jener bereits 1564 gebauten Parkanlage im Herzen von Paris, direkt neben dem Louvre. Vielleicht war es bloss der den Strassenlärm schluckende Schnee, vielleicht auch die für diesen Sonnentag erstaunlich wenig Leute die diese Stille ausmachten. Aber auf jeden Fall war es ein friedlicher Ort der Ruhe inmitten der immer hektischen Stadt...
Schliesslich wendete ich auch dieser Oase der Ruhe meinen Rücken zu und wanderte auf verschlungenen Pfaden wieder mehr Richtung Norden, dem Montmartre entgegen. Extra langsem schlenderte ich ich der Basilika entgegen, den perfekten Augenblick abwartend um auch dieses Monument wieder in seinem besten Licht zu erwischen und Euch einen goldigen Sonnenuntergang nach Hause senden zu können...




Dienstag, 6. Januar 2009

Winter haucht fest...

So, Ihr wart ja auch schön brav, und habt nicht viel genörgelt ob meinen sehr textlastigen Berichten (also ein paar Komentare mehr würden schon noch gut reingehen - ich merke ja sonst gar nicht ob das jemand liest!), daher dachte ich mir ich gönn Euch mal wieder zwei drei Bilder! Heute war es mal so richtig kalt in Paris, so ohrenknackend kalt dass selbst mein neuer Mantel mir kaum mehr ausreichend Schutz bot! Dafür kompensierte das Wetter die lebensfeindlichen Temperaturen mit ein paar atmosphärischen Schnappschüssen...


Auf dem kalten, glatten Weg richtung Bahnhof...

Ein etwas gezoomter Ausschnitt täuscht aber
warmes Licht vor...

...das mit einem kleinen Softwaretrick gleich viel
malerischer wirkt!

Nach Hause gings dieses mal wieder solo, denn
die Lady kam mir zu spät...

Protzig und kühl im Abendlicht...

Eine Millionenstadt mümmelt sich ein und legt
sich schlafen...

...oder seht Ihr noch Licht?



Sonntag, 4. Januar 2009

Augenblicke

Sonntag Mittag, mein erster Tag in Paris im neuen Jahr. Ich sitze in der Brasserie in der ich letztes Jahr schon ein vorzügliches Stück Rindfleisch gegessen habe und warte mit freudiger Erwartung wieder auf ein solchiges. Gedanklich bin ich aber ganz woanders, versunken in meiner Lektüre. Schon mindestens zweitausend Seiten lang habe ich nun die Geschehnisse um die Albenmark und das Fjordland verfolgt um an diesem Punkt angelangt zu sein.

Die Königin von Firnstayn ist in die Falle getappt, die ihre ehemaligen Entführer und scheinbaren Freunde ihr gestellt haben. Bloss eine kleine Schlacht im mittlerweile schon Jahrhunderte umspannenden Epos, aber eine Niederlage würde den endgültigen Untergang der Albenmark bedeuten.
Wenn die Königin stirbt, ist das magieerfüllte Reich der Alben entgültig dem Untergang geweiht.

Nur eine dünne Wand trennt die Königin von Ihrem Leben. Aber es ist eine undurchdringliche Wand aus stahlgepanzerten, erbarmungslosen Gotteskriegern...

Ich blicke kurz auf als sich mir gegenüber, halb verdeckt von der Säule des Restauranteingangs jemand setzt. Für einen Sekundenbruchteil kreuzen sich unsere Blicke und bleiben kurz aneinander hängen. Der kurze Augenblitz erdet sich tief in meiner einsamen Seele...

Natürlich halte ich dem Blick nicht stand, sondern schicke meine Augen - gleich wie sie auch - sofort wieder auf die Reise, einen belanglosen langsamen Sonntag Nachmittag vortäuschend an dem einen überhaupt grad gar nichts interessiert.

Aber diese Augen...

Die Not der Königin wird grösser und grösser, ihre Lage aussichtslos. Von ihrem eigenen Hochmut verraten und von ihren elfischen Waffenbrüdern im Stich gelassen bereitet sie sich auf ihren Untergang vor....

Das Erscheinen meines Pavé's und der zarte Duft der Roquefort-Sauce retten mich davor, die Qualen der jungen Königin länger mitansehen zu müssen. Ich lege mein Buch beiseite und knöpfe mir die 300g Rindfleisch vor, die vor mir auf dem Teller liegen.

Ein kurzer Augenblick zeigt mir dass auch sie tief in ein Buch vertieft und somit in einer ganz anderen Welt ist, abgekoppelt vom hier und jetzt. Doch auch jetzt wieder blitzten ihre Augen zu mir hinüber als sie sich auch etwas zu Essen bestellt.

Ich reisse mich wieder los und meine Augen schweifen über Paris, überall etwas interessantes zu entdecken scheinend. Doch in Wirklichkeit sehe ich nichts, denn meine Gedanken hängen immer noch an der soeben so schnell erhaschten Schönheit die sich vor mir hinter der Säule versteckt.

Diese dunklen, die Welt trinkenden Augen...

Ich wende mich wieder meinem Steak zu. Lecker, zweifelsohne, aber ich mag es im Moment gar nicht so recht geniessen. Ich fühle mich ausgestellt, da ich fürchte dass meine kurzen Blicke sie gestört haben könnte und sie mich nun beobachtet, um zu sehen ob ich sie denn beobachte.

Natürlich mache ich das nicht, aber ich sehe doch immer wieder wenn ich an ihr vorbei oder ganz kurz in ihr Gesicht schaue dass auch sie mich ab und zu wieder betrachtet.

Eines würde ich ja gerne mal wissen, liebe Damen: schaut Ihr auch zurück wenn der Blick eines Herrn Euch nervt und unangenehm ist, oder bloss wenn Ihr selber auch neugierig seid?!?

Diese quälende Frage - wohl eingenommen mit etwas feinem Rindfleisch und verdünnt mit würzigem, belgischem Abteibier - verbittert mir meinen geplanten Wohlfühlmittag hier in der Stadt der Liebe. Ich esse weiter, während sie in ihrem Buch liest und Passagen daraus oder ihre Gedanken dazu in einem kleinen Notizbuch niederschreibt. Ob sie auch andere Gedanken dazu schreibt?

"Paris, Brasserie "Au Rendez-Vous des Artistes", Sonntag 4.1.2009: Ich sitze hier und warte auf meine Crèpes, und mir gegenüber, halb verdeckt von einer Säule sitz ein Herr..."

Auch ihre Flucht in eine Traumwelt wird jäh gestoppt durch das Erscheinen ihrer Mahlzeit, und so essen wir. Irgendwie gemeinsam und doch unendlich getrennt, fast wie ein altes Paar, das alles beredet hat und sich nichts mehr zu sagen hat. Bloss dass es genau umgekehrt wäre und es so vieles gäbe was ich gerne fragen und erzählen würde.

Was schreibt sie? Was bewegt sie? Wieso ist sie hier und wieso nicht irgendwo anders? Wer ist sie und wer bin überhaupt ich?!?

Still essen wir unsere Teller leer, verstecken uns dann wieder zwischen den Zeilen unserer Bücher und finden nur hin und wieder in unseren Augen zueinander. Dünne, zerbrechliche und nur Sekundenbruchteile existierende Brücken die zwei Menschen miteinander verbinden könnten, wenn sie es denn nur erlauben würden diese Brücken solider und andauernder zu bauen.

Ich lese während dem Kaffee noch ein paar Zeilen in meinem Buch. Die Königin hat es mal wieder geschafft: ihre abtrünnigen Elfen haben sich dazu hochraffen können doch noch ins Schicksal der belächelten Menschen einzugreifen und das Blatt zu wenden. Euphorisch hätte ich sein sollen dass das Unheil mal wieder abgewendet wurde, doch meine eigene bevorstehende Niederlage lässt mir diesem Triumph nichts fröhliches abgewinnen.

Wir haben nun beide gegessen und getrunken, gelesen und gegrübelt. Nun wäre der perfekte Augenblick für einen weiteren Schritt in eine neue, grosse Welt. Ein Blick, nur schon eine Sekunde, würde genügen. Ein Lächeln vielleicht, das erwidert werden könnte oder nicht, und somit sprichwörtlich mehr sagen würde als die 828 hier bisher geschriebenen Worte. Von da an wäre es einfach. Die einmal losgetretene Lawine kann man nicht aufhalten, auch wenn man sie nicht wirklich dorthin leiten kann wohin man gerne möchte -aber das ist eine andere Geschichte.

Ich leere meinen Espresso, bezahle, verstaue mein Buch, lege mir meinen Schal und meinen Mantel an und stehe auf. Ich gehe eigentlich in ihre Richtung, doch bei der Tür ziehe meine Handschuhe an und trete in den eisigen Nachmittag hinaus ohne sie noch einmal angeschaut gewagt zu haben.

Nur eine dünne Wand trennt mich von meinem Leben. Aber es ist eine Wand aus stahlharten, undurchdringlichen Ängsten und Zweifeln...

Hinter mir schliesst sich die Tür in eine warme, helle Zukunft, und ich wandere einsam durch den kalten Januar nach Hause.