Donnerstag, 5. März 2009

Grounded to the Sky...

Langsam,laut ratternd und kreischend bewegt sich der elend lange Tatzelwurm durch die Pariser Vorstädte. Zusammen mit hunderten weiteren Reisenden bin ich eingepfärcht in einen hässlichen, vergammelten Zug, der über rostige Geleise an versprayten Betonwänden vorbei in die grosse Stadt rollt.

Ich blicke in den Abendhimmel, und innert Sekundenbruchteilen ändert mich meine Stimmung von langweilig-traurig in glücklich-beflügelt. Blitzschnell verlässt mein Geist den Zug und reist in Zeit und Raum...

Ich schmecke wieder den Kuss ihrer Maske, rieche ihr Parfum Sauerstoff, geborgen in der Umarmung ihres Schleudersitzes. Lachend gebe ich mir der Leidenschaft ihres pfeilschnellen Fluges hin...

Noch nie so wie hier, noch nie so wie jetzt, war ich so sehr ich selbst. Verschmolzen mit dieser Maschine aus Aluminium und Stahl erkenne ich mich wieder als das Wesen das ich immer zu sein geträumt habe, kein blosser vom Baum gefallener Affe, sondern ein beflügelter Geist, frei wie der Sturmwind.

Mit der Hawker Hunter T.68 J-4205, einem Jagdbomber-Trainer der bis 1994 in den Diensten der Schweizer Luftwaffe stand, fliege ich wieder durch die Alpen, teils gesteuert von Goliath, teils selbst die Hand am Knüppel. Die wildesten Kapriolen machen wir, der erfahrene Militär- und Linienpilot zu meiner Linken, und ich - ein sonst eher schüchterner, vorsichtiger und ängstlicher Junge, der sich verbissen weigert, erwachsen zu werden - zu seiner Rechten.

Hanspeter "Goliath" Reusser - mal nicht am Steuer einer Swiss Airbus 330 sondern im Cockpit des getarnten Kampfjets - steuert den Hunter direkt durch die bloss 180 Meter breite Wendenlücke, legt den Jet auf den Rücken und zieht in in einer engen Walze tief hinein ins Tal. Oben ist plötzlich unten, Wiesen und Felsen erheben sich vor der Flugzeugnase. Es drückt uns in die Sitze während unser Jet aus dem Tal hinaus schiesst. Ohne eine Funken Angst vor den nur wenigen dutzend Metern und ein paar Sekundenbruchteilen entfernten Felsen. Absolutes, unerschütterliches Vertrauen in den erfahrenen Piloten und die robuste Maschine.

Ich glaube rückblickend war etwas ganz anderes die grösste Angst die ich vor diesem Flug hatte, die Angst davor mir selbst zugeben zu müssen dass der Bubentraum den ich mein Leben lang mit mir getragen habe nur eine Illusion war, und dass der Himmel und die Fliegerei halt doch nicht meine Welt sind. Dass mein Körper und mein Geist die Strapazen eines Fluges mit einem richtigen Kampfflugzeug nicht verkraften würden.

Direkt daneben die zweite Angst: Was wenn die Erfüllung meines Lebenstraums wirklich so wundervoll ist wie erträumt? Stehe ich dann vor einem grossen Loch, keine Ziele und keine Träume mehr für die es sich zu kämpfen lohnt? Game over?

Schmunzelnd schaue ich in die golden beleuchteten Wolken über Paris, die wohlige Wärme und Glückseeligkeit durchfliesst mich wie jedes Mal wenn ich an meinen Hunter-Flug zürückdenke. Kein Tag vergeht an dem ich nicht Kraft und Freude aus diesem grössten Abenteuer meines Lebens schöpfe.

Nein.

Keine falschen Illusionen. Keine verlorenen Träume. Was ich erlebt habe war nur der entscheidende Schritt auf eine neue Bewusstseinsebene. Ich weiss jetzt, wer ich bin.

Neu geboren - With a Hunter's Wings I am reborn.

Ich weiss, nur wenige Mitmenschen teilen diese Faszination an der Fliegerei. Die meisten Menschen reden sich ein sie seien ganz zufrieden mit ihren beiden Füssen fest auf dem Boden. Die die sie sich nach dem Himmel sehnen werden oft belächelt, mehr und mehr sogar verschrien und verflucht. Krachmacher. Kriegspieler. Elitäre Hedonisten.

Aber seid Ihr Euch da so sicher? Schaut Ihr nicht auch manchmal auf zu den Wolken und wünscht Euch, Flügel zu haben?

Ist Euch schon einmal aufgefallen in wie vielen Musikstücken Flügel, Fliegen und Freiheit vorkommen, oft zusammen auch mit Liebe und Glück?

Das sind nicht bloss Floskeln, das ist der Traum den wir geschenkt bekommen haben als unser Geist die Fähigkeit erlangte die Welt nicht nur zu erkennen, sondern zu erdenken und zu erfühlen. Ich behaupte der Traum des Fliegens ist so alt wie der Mensch selbst.


Seid Ihr Euch auch bewusst dass Ihr Geschöpfe des Himmels seid? Wir sind nicht vergraben in der Erde, tauchen nicht im Wasser, sondern ragen direkt in den Himmel hinein! Bloss ein Sprung, sei es körperlich oder im Geiste, und wir heben ab in die Freiheit!

Ok, sehr schnell kommen wir auch wieder runter - aber wir haben eben Möglichkeiten erfunden unseren Körper auch da oben zu halten, da, wo unser Geist immer wieder hinzieht!

...

Ich wünschte alle könnten erleben was ich erlebt habe, fühlen was ich fühlte. Die Welt von oben aus neuen Perspektiven sehen...

Und ich danke meinen Eltern, die mir diese Möglichkeit gegeben haben den Traum meines Lebens zu erfüllen...

Und Ihr da draussen: Fliegt doch mal wieder! Schaut Euch die Welt und Ihre Schönheit an!

Wichtig dabei aber: schaut nicht nur - lernt auch zu sehen!



1 Kommentar:

Exploramus hat gesagt…

*schnüff* Bin ganz berührt. Ich freue mich so sehr, dass du das erleben durftest... und auch wenn ich nicht den selben Traum lebe, verstehe ich sehr gut, wie du dadurch so viel Kraft bekommst.