Lange. Sehr lange habe ich Euch nun geschont, jetzt aber ist fertig luschtig und ich schreib Euch mal wieder was.
Der Inhalt des heutigen Geschreibsels ist hoffentlich für Euch auch etwas zum Schmunzeln...
Mein "Happy Day" hat heute morgen - mal abgesehen vom normalen Wecker-Terror und Aufsteh-Stress - schon in der Metrostation sein Potential angedeutet, sich zu etwas grossartigem entwickeln zu können.
Ich stehe da in der Schlange vor den beiden Billetautomaten um mir wieder mal einen Bund Fahrkarten für die tägliche Geisterbahn zu kaufen, gelange nach etwas Warten schliesslich zum ersten Automaten und beginne meinen Roll- und Klick-Parcours durchs umständliche Benutzermenü der Pariser ÖV.
Der letzte Abschnitt - das Bezahlen per eingeschobener Kreditkarte - misslingt allerdings beim ersten Versuch. Dies ist eigentlich nichts aussergewöhnliches bei französischen Automaten, doch da man das ganze Gerolle durch die Menü's wieder ganz von Vorne beginnen muss nervt es halt doch schon.
Im Halbschlaf mache ich also den Drill zum zweiten Mal, versuche es mit meiner zweiten Kreditkarte, und auch die wird verweigert. Fies.
Also schon etwas genervter zum dritten Mal durch die Menü's gerollt:
Roll-roll. "Ticket kaufen" auswählen. Roll-roll. "Ile-de-France" auswählen. Roll-roll. "Ticket kaufen" auswählen. Roll-roll. "Zielortauswahl" auswählen. Roll-roll. Durchs Alphabet zum "R". Roll-roll. "Rougemont Chanteloup". Roll-roll. "Einzelbillet oder mehrere Billete?" Roll-roll. "Ein oder zwei 10er-Bündel?" Roll-roll. Klick. "Bitte Kreditkarte einführen." Geschafft!
Nun stehe ich da, suche in meinem Portemonnaie nach der dritten und letzten Karte, die sich freundlicherweise verklemmt, und während ich sie herauszwänge entscheidet der Automat er habe mir jetzt lange genug zugesehen und stellt sich wieder auf den Nullpunkt zurück.
Wie im Leiterlispiel.
Das habe ich als Kind schon gehasst.
Ich muss aber zur Arbeit, daher das ganze Spiel nochmals, die ganze Leiter hoch, um dann beim nunmehr vierten Zahlungsversuch wieder mit einen nicht erkannten Karte zum Start zu purzeln.
Toll.
Ich setze genervt ein paar Schritte zurück um zu schauen wieviel Kleingeld noch da ist, und aus dem Augenwinkel sehe ich wie eine Metro-Mitarbeiterin gelassen ein Schild an meinen Automaten heftet: "Hors service" - ausser Betrieb...
Oh, meine Karten gehen also, aber der Automat ist futsch? Toll, dann habe ich ja noch eine Chance! Flugs also beim zweiten Automat angestanden, und dasselbe wiederholt.
Und ich meine genau wiederholt, bis zur letzten Karte. Auch diese geht nicht, ich rolle mich ein letztes Mal durch den Automaten und zahle schliesslich mit etwas echtem Geld, und freue mich bereits aufs Telefon zu Cornecard um zu fragen ob es ein Problem mit meinen Karten gibt.
Die Reise ins Labor verläuft dann relativ reibungslos, doch als ich ankomme empfängt mich mein Kollege Pierre mit einer freudigen Botschaft: "Marcüss!!! Der Kryostat des Roboters piept!"
Ah grossartig! Währen meiner Applikation die ich über Nacht laufen gelassen habe hat sich das Ölkühlgerät verabschiedet! Hm, vielleicht etwas mit dem Durchfluss in den ausgewechselten Leitungen nicht in Ordnung?
Ich eile zur Roboterplatform und konsultiere den Statusdisplay des Kryostaten.
O-oh, I have a baaad feeling about this...
"Cryostat stopped: Low pressure!" - das kann eigentlich nur eines bedeuten: der Kryo ist ausgelaufen!
In der Tat erblicke ich in der Wanne des Roboters eine Lache mit genügend Silikon-Öl um mich ein halbes Leben lang einreiben zu lassen. *Täum-seuftz*
Wo war ich? Ach ja, Kryostat!
Scheinbar hat sich tief in der Nacht ein Schlauch zu einem der Reaktormodule gelöst (nein, nicht der den ich ausgewechselt habe), und der Kryo pumpte wackere 1.5 Minuten lang Öl in die Wanne bevor er merkte dass nicht mehr soviel Druck da ist und er sich mal stoppte.
Somit ging die Fehlersuche, das Telefonieren und das Planen der Reparatur los. Keine allzu tragische Sache - wir sollten die Teile eh durch neue ersetzten, also grad eine gute Gelegenheit alles aufs Mal zu machen wenn die Ersatzteile nächsten Woche in Paris eintreffen.
Bis dahin muss aber das Gerät sauber sein, und ich zwänge also meine Arme durch vielleicht für Kinderhände geeignete Lücken, um die etwa zwei Liter Öl mit papier und Schwämmen rauszuholen. Gibt nette blaue Flecken!
Die Stimmung bei den Leuten hier ist aber gut, das Team akzeptiert das kleine Malheur mit einem typisch französischen "Boff, das kommt halt schon mal vor, quoi."
Oh, ein Lichtblick beim Mittagessen! Ich musste meine Badge für die Kantine frisch laden, und siehe da, schon die erste Karte funktionierte auf Anhieb! Also doch nicht kaputt, das Plastikgeld.
Ich scherzte beim Essen dann noch (zugegeben etwas provokativ) herum, dass ich beim nächsten Problem heute endgültig den Pickel hinschmeisse und nach Hause gehe.
Fünf Minuten später kippt mein Nachbar versehentlich meinen Kaffebecher um und nur dank meiner angespannten Nerven hatte ich genügend Reaktion um mich mit einem beherzten Sprung aus dem Spritzbereich zu retten. Nachdem die Sauerei aufgeputzt war kriegte ich dann doch noch etwas Koffeinsuppe, und schaute optimistisch dem Nachmittag entgegen.
Nein, nach Hause bin ich natürlich erst nach offiziellem Feierabend, und ich wähnte mich schon fast sicher, nachdem der Billetautomat am Bahnhof nun eine weitere Karte (habe extra eine andere probiert) akzeptiert hat.
Erst beim Versuch in die Metro umzusteigen wurde ich wieder von meinem Happy Day eingeholt - aber ich fürchte mein Abenteuer war ja ein Klacks gegen das von jemand anderem: das Nebengeleise war durch Sturmgewehr-bewehrte Soldaten und Gendarmerie gesperrt, während die Feuerwehr und die Ambulanz versuchte einen zwischen die Metro-Wagons gestürzten Fahrgast zu retten. Auch auf unserem Gleis war vorläufig deshalb kein Zug zu erwarten.
Mit einem mulmigen Gefühl wühlte ich mich aus der Menschenmenge, ging dann halt die letzten zwei Kilometer zu Fuss, und kam dann schliesslich sicher zu Hause an.
Ich machte mich hinter den Kühlschrank, um meinen gestern erworbenen Fertigsalat zu geniessen.
Bwäh! Furchtbar, das Zeugs! Schlicht nicht essbar!
Ich legte die üble Pampe beiseite und frage mich nun, ob ich mir mit den letzten Relikten im Kühlschrank eine Tost zusammenschustern soll.
Soll ich es wagen? Wir der Toaster explodieren? What will be?!?
Oh, happy Day...
Epiolog: Keine Angst, auch das habe ich glücklich überstanden und werde nun zum Abreagieren ein paar Vrykull plätten! Ich hoffe aber dem armen Kerl in der Metro gehts gut... Die besten Wünsche deshalb an ihn!
Donnerstag, 26. Februar 2009
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1 Kommentar:
*lach* Ojeh! Ich bin ja froh, dass du nicht irgendwo auf ner Bananenschale ausgerutscht bist und dir was gebrochen hast! Aber mal im Ernst... wieso kaufst du dösel dir nicht endlich n Abbo für die Metro?!
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