Heute Samstag ist das Wetter nicht so dolle in Yokkaichi, und ich baue immer noch letzte Reste meines Jetlags ab ('gen Osten ist immer schlimmer...). Darum mach ich mir einen gemütlichen Tag, les ein Wenig und schreib ein Bissl bevor's dann morgen mit richtigem Sightseeing losgeht...
Beim Aufräumen meines Lappies bin ich über einen alten Text gestolpert, den ich mal im Winter während einem Einsatz in Deutschland zusammengeschustert habe. Also macht euch auf etwas schäbige Pseudo-Literatur gefasst - vielleicht liest es sich ja trotzdem interessant. Und sonst überspringt's ruhig wenn's etwas langatmig wird...
=========
Ich spaziere einen dunklen, kalten Waldrand entlang. Gefrorene Pfützen glitzern auf dem Trottoir, die Scheinwerfer mich ab und zu passierender Autos blenden mich in der Nacht und lassen zusammen mit dem beissenden Wind Tränen in meine Augen steigen.
Es macht wirklich keinen Spass bei dem Wetter! Wieso zur Hölle bin ich eigentlich hier draussen?!?
Ah ja, genau! Ich suche was zu Essen...
Ich höre ein leises Heulen, irgendwo weit hinter mir. Nur der Wind?
Ja, wahrscheinlich nur der Wind.
Ich beschleunige trotzdem meine Schritte, denn ich möchte in die Wärme. Und dass ich ein kleiner Angsthase bin verneine ich ja auch nicht. Aber was soll mir hier draussen schon passieren?
Wieder das Heulen, dieses mal gefolgt von einem leisen Hächeln...
Ich halte an und starre gebannt in den Wald: da blitzen doch Augen! Eiskalte, hungrige Augen!
Na, ich gehe sicher nicht in dieses Wald! Ich bin ja nicht irre und begebe mich in das Jagdrevier eines Biestes, oder? Hier draussen an der Strasse bin ich sicher, rede ich mir ein. Solche Monster meiden das Licht und würden sich nicht in die Zivilisation wagen, ja?
Ich gehe weiter, noch etwas rascher, noch etwas ängstlicher. Vor mir erstrahlt aber schon bald warm das einladende Schild eines Restaurants. Perfekt! Ich wurde auf dem Weg nicht gefressen, kriege aber sicher gleich selber was Leckeres auf den Teller!
Im gut besuchten Restaurant setze ich mich alleine an einen freien Tisch und bestelle mir was Feines vom Rind. Ha! Es gibt halt doch Raubtiere die sich in die Zivilisation wagen! Ich grinse erleichtert und vergesse meine unangenehme Hinreise spätestens bei den ersten paar Bissen warmem, zartrosa gebratenem Filet.
Ich geniesse mein Essen - das hab ich mir immerhin mit harter Arbeit in einem Fremden Land verdient, was? Man gönnt sich ja sonst nichts!
Plötzlich...
Mehr ein Gefühl als ein Geräusch warnt mir vor der Nähe des Biests. Mein Glas hällt auf seinem Weg zu meinen Lippen inne, und ich bemerke wie mein Zittern kleine Wellen im Wasser erzeugt.
Hier? Es ist hier?!? Irgendwo zwischen diesen Leuten? Kennt dieses Biest keine Gnade? Wie war das nochmals mit den wilden Monstern in den tiefen Wäldern? Jagende Raubtiere sollten sich doch fernab der Städte einzelne, verstreute Beute aussuchen, nicht ganze Gruppen! Deshalb bilden wir doch Herden, oder?
"Schau Dich um, Narr!", flüstert das Biest, "Zu welcher Gruppe hier gehörst Du denn genau, hmmm?"
Wie geboten sehe ich mich im Saal um und lasse meine Blicke über die anderen Gäste an ihren Tischen wandern: Ich weiss nicht ob ich nur nicht bemerkt oder aktiv ignoriert werde. Ob mich all die anderen als bereits verloren betrachten und beim scheinbar bevorstehenden Gemetzel einfach nicht hinschauen? Wer will beim gemütlichen Essen schon mitansehen müssen, wie ein einzelner, unbekannter Artgenosse am Tisch nebenan einfach zerfleischt wird...
Schnell raus hier! Wahrscheinlich habe ich eine grössere Chance davonzukommen wenn ich renne als wenn ich mich in einem geschlossenen Raum in eine Ecke drängen lasse: Winselnd in der beim plötzlich spritzenden Blut dann sicher trotzdem gaffenden Menschenmasse zu Strecke gebracht zu werden? Nah, das ist nicht mein Stil.
Ich. Allein. Gegen das Biest. Ein Duell. Yeah!!!
Mit einiger Mühe winke ich den Kellner zu mir rüber um für mein Essen zu bezahlen. Ich stehe auf, werfe mir Schal und Mantel um, ziehe mir die Handschuhe über. Ein tapferer Ritter rüstet sich zur letzten Schlacht.
Trotzig, fast zornig rausche ich raus in die Nacht. Bringen wir es hinter uns, Biest!
Die sibirischen Winde blasen mir jedoch recht schnell den Kampfesmut aus den Knochen. Yup, ich bin hier. Und das Biest, stimmt. Alle Mitspieler dieses idiotischen Spiels sind anwesend.
Aber nun erinnere ich mich daran dass es kein Kampf zwischen ebenbürtigen Gegnern ist: das könnte ganz einfach eine Hinrichtung sein.
Uh-oh.
Besser schleunigst die Beine in die Hand...
Schnell schreite ich am Waldrand entlang zurück, noch paranoider als auf dem Hinweg. Meine Augen huschen von links nach rechts, immer darauf aus das Biest zu erkennen bevor es mich anspringt. Ich strenge meine Ohren an um es mich anschleichen zu hören.
Aber das Biest spielt immer noch mit mir, immer noch auf Distanz, immer noch lauernd.
Ich haste weiter, ein Glimmer Hoffnung in meiner Brust der von Schritt zu Schritt stärker wird. Vielleicht schaffe ich es ja sogar zurück? Vielleicht habe ich ja mal Glück?
Vor meiner Unterkunft wage ich mich umzudrehen. Mit neugewonnenem Mut fordere ich das Biest zum Kampf, aber es ist nirgends zu sehen, zu hören oder zu spüren.
Immer noch leicht erschüttert zwar, aber auch beruhigt schlüpfe ich ins sonst leere Hotel und haste zu meinem Zimmer.
Wie ich ins Zimmer trete spüre ich wie sich das Biest hinter mir hereinstiehlt, bevor ich die Türe schliessen kann. Kein Schloss hilft mir jetzt. Zu spät.
Ich gebe auf, zu müde um zu rennen, angewiedert von diesem einseitigen mörderischen Spiel.
Ich drehe mich schliesslich zu dem Schatten hinter mir um.
"Also ist es wieder einmal nur Du und ich, was?"
"Ja, alter Freund," neckt das Biest, "nur Du."
=========
So, das hat man nun davon wenn man mir zuviel Zeit zum Schreiben lässt! Na vielleicht hat's ja gefallen!
Beim Aufräumen meines Lappies bin ich über einen alten Text gestolpert, den ich mal im Winter während einem Einsatz in Deutschland zusammengeschustert habe. Also macht euch auf etwas schäbige Pseudo-Literatur gefasst - vielleicht liest es sich ja trotzdem interessant. Und sonst überspringt's ruhig wenn's etwas langatmig wird...
=========
Ich spaziere einen dunklen, kalten Waldrand entlang. Gefrorene Pfützen glitzern auf dem Trottoir, die Scheinwerfer mich ab und zu passierender Autos blenden mich in der Nacht und lassen zusammen mit dem beissenden Wind Tränen in meine Augen steigen.
Es macht wirklich keinen Spass bei dem Wetter! Wieso zur Hölle bin ich eigentlich hier draussen?!?
Ah ja, genau! Ich suche was zu Essen...
Ich höre ein leises Heulen, irgendwo weit hinter mir. Nur der Wind?
Ja, wahrscheinlich nur der Wind.
Ich beschleunige trotzdem meine Schritte, denn ich möchte in die Wärme. Und dass ich ein kleiner Angsthase bin verneine ich ja auch nicht. Aber was soll mir hier draussen schon passieren?
Wieder das Heulen, dieses mal gefolgt von einem leisen Hächeln...
Ich halte an und starre gebannt in den Wald: da blitzen doch Augen! Eiskalte, hungrige Augen!
Na, ich gehe sicher nicht in dieses Wald! Ich bin ja nicht irre und begebe mich in das Jagdrevier eines Biestes, oder? Hier draussen an der Strasse bin ich sicher, rede ich mir ein. Solche Monster meiden das Licht und würden sich nicht in die Zivilisation wagen, ja?
Ich gehe weiter, noch etwas rascher, noch etwas ängstlicher. Vor mir erstrahlt aber schon bald warm das einladende Schild eines Restaurants. Perfekt! Ich wurde auf dem Weg nicht gefressen, kriege aber sicher gleich selber was Leckeres auf den Teller!
Im gut besuchten Restaurant setze ich mich alleine an einen freien Tisch und bestelle mir was Feines vom Rind. Ha! Es gibt halt doch Raubtiere die sich in die Zivilisation wagen! Ich grinse erleichtert und vergesse meine unangenehme Hinreise spätestens bei den ersten paar Bissen warmem, zartrosa gebratenem Filet.
Ich geniesse mein Essen - das hab ich mir immerhin mit harter Arbeit in einem Fremden Land verdient, was? Man gönnt sich ja sonst nichts!
Plötzlich...
Mehr ein Gefühl als ein Geräusch warnt mir vor der Nähe des Biests. Mein Glas hällt auf seinem Weg zu meinen Lippen inne, und ich bemerke wie mein Zittern kleine Wellen im Wasser erzeugt.
Hier? Es ist hier?!? Irgendwo zwischen diesen Leuten? Kennt dieses Biest keine Gnade? Wie war das nochmals mit den wilden Monstern in den tiefen Wäldern? Jagende Raubtiere sollten sich doch fernab der Städte einzelne, verstreute Beute aussuchen, nicht ganze Gruppen! Deshalb bilden wir doch Herden, oder?
"Schau Dich um, Narr!", flüstert das Biest, "Zu welcher Gruppe hier gehörst Du denn genau, hmmm?"
Wie geboten sehe ich mich im Saal um und lasse meine Blicke über die anderen Gäste an ihren Tischen wandern: Ich weiss nicht ob ich nur nicht bemerkt oder aktiv ignoriert werde. Ob mich all die anderen als bereits verloren betrachten und beim scheinbar bevorstehenden Gemetzel einfach nicht hinschauen? Wer will beim gemütlichen Essen schon mitansehen müssen, wie ein einzelner, unbekannter Artgenosse am Tisch nebenan einfach zerfleischt wird...
Schnell raus hier! Wahrscheinlich habe ich eine grössere Chance davonzukommen wenn ich renne als wenn ich mich in einem geschlossenen Raum in eine Ecke drängen lasse: Winselnd in der beim plötzlich spritzenden Blut dann sicher trotzdem gaffenden Menschenmasse zu Strecke gebracht zu werden? Nah, das ist nicht mein Stil.
Ich. Allein. Gegen das Biest. Ein Duell. Yeah!!!
Mit einiger Mühe winke ich den Kellner zu mir rüber um für mein Essen zu bezahlen. Ich stehe auf, werfe mir Schal und Mantel um, ziehe mir die Handschuhe über. Ein tapferer Ritter rüstet sich zur letzten Schlacht.
Trotzig, fast zornig rausche ich raus in die Nacht. Bringen wir es hinter uns, Biest!
Die sibirischen Winde blasen mir jedoch recht schnell den Kampfesmut aus den Knochen. Yup, ich bin hier. Und das Biest, stimmt. Alle Mitspieler dieses idiotischen Spiels sind anwesend.
Aber nun erinnere ich mich daran dass es kein Kampf zwischen ebenbürtigen Gegnern ist: das könnte ganz einfach eine Hinrichtung sein.
Uh-oh.
Besser schleunigst die Beine in die Hand...
Schnell schreite ich am Waldrand entlang zurück, noch paranoider als auf dem Hinweg. Meine Augen huschen von links nach rechts, immer darauf aus das Biest zu erkennen bevor es mich anspringt. Ich strenge meine Ohren an um es mich anschleichen zu hören.
Aber das Biest spielt immer noch mit mir, immer noch auf Distanz, immer noch lauernd.
Ich haste weiter, ein Glimmer Hoffnung in meiner Brust der von Schritt zu Schritt stärker wird. Vielleicht schaffe ich es ja sogar zurück? Vielleicht habe ich ja mal Glück?
Vor meiner Unterkunft wage ich mich umzudrehen. Mit neugewonnenem Mut fordere ich das Biest zum Kampf, aber es ist nirgends zu sehen, zu hören oder zu spüren.
Immer noch leicht erschüttert zwar, aber auch beruhigt schlüpfe ich ins sonst leere Hotel und haste zu meinem Zimmer.
Wie ich ins Zimmer trete spüre ich wie sich das Biest hinter mir hereinstiehlt, bevor ich die Türe schliessen kann. Kein Schloss hilft mir jetzt. Zu spät.
Ich gebe auf, zu müde um zu rennen, angewiedert von diesem einseitigen mörderischen Spiel.
Ich drehe mich schliesslich zu dem Schatten hinter mir um.
"Also ist es wieder einmal nur Du und ich, was?"
"Ja, alter Freund," neckt das Biest, "nur Du."
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So, das hat man nun davon wenn man mir zuviel Zeit zum Schreiben lässt! Na vielleicht hat's ja gefallen!
Und jetzt aber ab ins Bettchen mit mir! Shogun Ieyasu wartet ja morgen auf mich...

1 Kommentar:
... und ich schon gespannt auf deinen Bericht dazu!
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